Geteiltes Leid ist doppeltes Leid
Früher, ja früher war alles anders. Manches sogar besser. Bis vor einigen Jahren war auch alles einfacher. Nein, ich reihe mich jetzt nicht in die Schar derer ein, die den Wiederaufbau der hochgeklappten Autobahn durch Berlin propagieren, oder für den Erwerb einer "Original-Ostschrippe"für 5 Pfennig Meilenweit laufen würden.
Diese Zeit meine ich nicht.Obwohl sich natürlich jetzt, 10 Jahre danach, dieses Jubiläum anbieten würde, um schreibend tätig zu werden.
Meine Betrachtungen haben nur indirekt auch mit der DDR zu tun. Das Ausmaß der Katastrophe (oder schreib ich jetzt Katastrofe?...ne, sieht blöd aus) ist aber fast genauso groß.
Es geht um ein Thema, was uns alle beschäftigt, oder zumindest im "Vor-e-mail-Zeitalter" beschäftigt hat. Es geht um das leidige Thema Deutsche Post.
Wie war das doch damals? Erinnern Sie sich noch. Nein, nicht zur Zeit der Postkutschen. Da kamen die Briefe noch pünktlich. Ich meine kurz danach. Zumindest was die Geschwindigkeit angeht, kann es nur kurz danach sein.
Zu jener Zeit also, war die Post gelb. Jeder wußte das, aber niemanden hat es etwas genützt. Man gab seine Briefe, Pakete und Beschwerden im Postamt an der Ecke ab. Ja, da war mal ein Postamt, glauben Sie es ruhig.
Heute haben wir die gelbe Briefpost, die pinkfarbene Telekom und den sich grün ärgenden Postkunden. Eine Bunte Vielfalt.
Das die Post in den östlichen Gebieten so lange befördert wurde, muß man verstehen. Aussortieren, kopieren, abheften und wieder für den weitertransport zu präparieren, das dauert halt seine Zeit. Was aber heute? Die Kopierer sind teilweise arbeitslos geworden. Gleiches gilt für die Abhefter. Wer nicht arbeitslos wurde, der ist heute Geschäftsführer.( Geschäftsführer erkennt man am Einheitsgrau. Sogenannte Erfolgstypen am Blau-weiß gestreiften Hemd mit weißen Kragen mit dazu, im krassen Gegensatz stehenden, gelben Krawatte. Slogan "Jung, Dynamisch, Erfolglos.")
In der einfarbigen Ära klappte eigentlich nichts, außer die Türen. Heute nicht einmal mehr das. Man ist reich an den Portozahlungen geworden, und da will man sich nicht durch ständiges Türenklappen im Büroschlaf stören lassen. Die Konsequenz war die Anschaffung elektrischer Schiebeglastüren. Das sind die, die beim Flughafen immer so lange auf sind, bis man in die Nähe kommt, sich dann spontan dazu entschließen, zuzugehen, sodaß man sich nur durch einen gekonnten Fallrückzieher in Sicherheit bringen und dem Wachmann an den Hals werfen kann.
Man sollte sich aber nicht zu sehr über die Geldausgaben wundern oder gar ärgern. Es könnte auch weitaus schlimmer kommen. Es ist heute schon so weit, daß man freiwillig ein paar Mark mehr bezahlt, um aus einem Päckchen ein Paket zu machen, damit man wenigstens weiß, daß man sich hinterher beschweren kann, wenn das Päckel nicht beim Adressat auftaucht. Dies ist zwar sinnlos, beruhigt aber die Nerven. Schneller wird durch diese Portoaufstockung allerdings gar nichts. Besonders der Transport ins Ausland ist immer noch ein Abenteuer. Da wird man am Schalter auch gerne einmal gefragt, ob beispielsweise Polen überhaupt noch zu Europa gehört, oder ob das Paket per Flugzeug nach Amerika transportiert werden soll. Dies bestimmt den Preis, obwohl ich mir ehrlich nicht vorzustellen vermag, wie der Postbote mein Paket auf Pferdewagen in die Staaten bringt.
Allseits beliebt sind in letzter Zeit die vorgefertigten Päckchen mit Marke drauf. Einfach zu bedienen, und fast für geschenkt. Nur eben leider nicht sehr schnell. Die versprochene 24 Stunden Zustellung klappt warscheinlich auch nur innerhalb eines Dorfes von der Waldstraße 10 zur Hauptstraße 8. Das allerdings auch nur, wenn die Sonne scheint, und genug Hafer vorhanden ist (das Pferd).
Es war bis heute im übrigen nicht heraus zu bekommen, warum ein gelbes Päckchen mit Aufkleber, unter 10 DM kostet, während alle andersfarbigen Kartons die 10 DM Grenze locker überspringen. Bei gleichem Inhaltsstoffen.
Dabei fällt mir noch ein, daß ich Sie warnen wollte. Verschicken Sie z.B. im Sommer keine Hühnereier. Diese könnten auf dem Transport der Sonne ausgesetzt sein, auschlüpfen, und spätestens dann haben Sie Ärger mit dem Tierschutz. Und das, obwohl Sie der letzte sind, der dafür etwas kann.
Trösten kann ich Sie nur damit, daß ich Ihnen jetzt erzähle, daß es Länder gibt, wo es noch viel schlimmer zugeht. Mir fallen dabei spontan einige Stämme in Uganda ein. Dort gibt es nicht einmal gelbe Kisten. Oder wenigstens nicht ganz so teure.
Wir sollten uns nur immer bewußt sein, daß wir die Postämter-Kultur auch weiterhin unterstützen sollten. Wo gibt es schon noch auf ganz einfache Art ein schönes Erlebnis. Sie können sich hinstellen und vor Ihren Verwandten oder Arbeitskollegen prahlen, daß Sie in der Stadt waren, und noch schnell zur Post wollten, um Briefmarken zu holen, und das Amt war geöffnet. Um nicht als verkappter Lügner dazustehen, empfiehlt sich in solchen Fällen eine Polaroid-Kamera in der Handtasche. Sollten dann auch noch von den vorhandenen 3 Schaltern in nur einem ein Schild stehen, welches auf den Nachbarschalter verweist, ist das ein Erfolgserlebnis, welches es seit Maueröffnung nur noch selten gab.
Da mittlerweile jeder Sonderschüler auf dem Schulhof unbedingt handytechnisch mit seinem Klassenkameraden am anderen Ende des Geländes telefonieren kann und dies auch tut, müssen wir uns alle ein neues Objekt suchen, mit dem wir unser elitäres Wesen zur Ansicht bringen können. Hat es vor kurzer Zeit noch gereicht, eine e-mail Adresse auf der Visitenkarte zu haben, um als reich und wichtig zu gelten, mußte es kurze Zeit später die eigene Homepage sein. Auch dies reicht nicht mehr. Es gibt aber noch etwas, daß auch in nächster Zeit immer teurer und exquisiter werden wird, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Zeigen Sie, daß Sie es sich leisten können....schreiben Sie Briefe ! Schicken Sie aber zur Sicherheit noch eine e-mail mit gleichlautendem Text, falls es wichtig ist. Ich sehe schon die ersten Yuppies mit Unmengen von leeren A4 Umschlägen zum Briefkasten laufen, und an sich selbst schicken. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Man ist nicht nur reich, man kennt auch reiche Leute.
In diesem Sinne. In 7 Monaten ist Weihnachten... schicken Sie die Karten schon mal los.
11.05.99
webfundstück - aber wo?!
Diese Zeit meine ich nicht.Obwohl sich natürlich jetzt, 10 Jahre danach, dieses Jubiläum anbieten würde, um schreibend tätig zu werden.
Meine Betrachtungen haben nur indirekt auch mit der DDR zu tun. Das Ausmaß der Katastrophe (oder schreib ich jetzt Katastrofe?...ne, sieht blöd aus) ist aber fast genauso groß.
Es geht um ein Thema, was uns alle beschäftigt, oder zumindest im "Vor-e-mail-Zeitalter" beschäftigt hat. Es geht um das leidige Thema Deutsche Post.
Wie war das doch damals? Erinnern Sie sich noch. Nein, nicht zur Zeit der Postkutschen. Da kamen die Briefe noch pünktlich. Ich meine kurz danach. Zumindest was die Geschwindigkeit angeht, kann es nur kurz danach sein.
Zu jener Zeit also, war die Post gelb. Jeder wußte das, aber niemanden hat es etwas genützt. Man gab seine Briefe, Pakete und Beschwerden im Postamt an der Ecke ab. Ja, da war mal ein Postamt, glauben Sie es ruhig.
Heute haben wir die gelbe Briefpost, die pinkfarbene Telekom und den sich grün ärgenden Postkunden. Eine Bunte Vielfalt.
Das die Post in den östlichen Gebieten so lange befördert wurde, muß man verstehen. Aussortieren, kopieren, abheften und wieder für den weitertransport zu präparieren, das dauert halt seine Zeit. Was aber heute? Die Kopierer sind teilweise arbeitslos geworden. Gleiches gilt für die Abhefter. Wer nicht arbeitslos wurde, der ist heute Geschäftsführer.( Geschäftsführer erkennt man am Einheitsgrau. Sogenannte Erfolgstypen am Blau-weiß gestreiften Hemd mit weißen Kragen mit dazu, im krassen Gegensatz stehenden, gelben Krawatte. Slogan "Jung, Dynamisch, Erfolglos.")
In der einfarbigen Ära klappte eigentlich nichts, außer die Türen. Heute nicht einmal mehr das. Man ist reich an den Portozahlungen geworden, und da will man sich nicht durch ständiges Türenklappen im Büroschlaf stören lassen. Die Konsequenz war die Anschaffung elektrischer Schiebeglastüren. Das sind die, die beim Flughafen immer so lange auf sind, bis man in die Nähe kommt, sich dann spontan dazu entschließen, zuzugehen, sodaß man sich nur durch einen gekonnten Fallrückzieher in Sicherheit bringen und dem Wachmann an den Hals werfen kann.
Man sollte sich aber nicht zu sehr über die Geldausgaben wundern oder gar ärgern. Es könnte auch weitaus schlimmer kommen. Es ist heute schon so weit, daß man freiwillig ein paar Mark mehr bezahlt, um aus einem Päckchen ein Paket zu machen, damit man wenigstens weiß, daß man sich hinterher beschweren kann, wenn das Päckel nicht beim Adressat auftaucht. Dies ist zwar sinnlos, beruhigt aber die Nerven. Schneller wird durch diese Portoaufstockung allerdings gar nichts. Besonders der Transport ins Ausland ist immer noch ein Abenteuer. Da wird man am Schalter auch gerne einmal gefragt, ob beispielsweise Polen überhaupt noch zu Europa gehört, oder ob das Paket per Flugzeug nach Amerika transportiert werden soll. Dies bestimmt den Preis, obwohl ich mir ehrlich nicht vorzustellen vermag, wie der Postbote mein Paket auf Pferdewagen in die Staaten bringt.
Allseits beliebt sind in letzter Zeit die vorgefertigten Päckchen mit Marke drauf. Einfach zu bedienen, und fast für geschenkt. Nur eben leider nicht sehr schnell. Die versprochene 24 Stunden Zustellung klappt warscheinlich auch nur innerhalb eines Dorfes von der Waldstraße 10 zur Hauptstraße 8. Das allerdings auch nur, wenn die Sonne scheint, und genug Hafer vorhanden ist (das Pferd).
Es war bis heute im übrigen nicht heraus zu bekommen, warum ein gelbes Päckchen mit Aufkleber, unter 10 DM kostet, während alle andersfarbigen Kartons die 10 DM Grenze locker überspringen. Bei gleichem Inhaltsstoffen.
Dabei fällt mir noch ein, daß ich Sie warnen wollte. Verschicken Sie z.B. im Sommer keine Hühnereier. Diese könnten auf dem Transport der Sonne ausgesetzt sein, auschlüpfen, und spätestens dann haben Sie Ärger mit dem Tierschutz. Und das, obwohl Sie der letzte sind, der dafür etwas kann.
Trösten kann ich Sie nur damit, daß ich Ihnen jetzt erzähle, daß es Länder gibt, wo es noch viel schlimmer zugeht. Mir fallen dabei spontan einige Stämme in Uganda ein. Dort gibt es nicht einmal gelbe Kisten. Oder wenigstens nicht ganz so teure.
Wir sollten uns nur immer bewußt sein, daß wir die Postämter-Kultur auch weiterhin unterstützen sollten. Wo gibt es schon noch auf ganz einfache Art ein schönes Erlebnis. Sie können sich hinstellen und vor Ihren Verwandten oder Arbeitskollegen prahlen, daß Sie in der Stadt waren, und noch schnell zur Post wollten, um Briefmarken zu holen, und das Amt war geöffnet. Um nicht als verkappter Lügner dazustehen, empfiehlt sich in solchen Fällen eine Polaroid-Kamera in der Handtasche. Sollten dann auch noch von den vorhandenen 3 Schaltern in nur einem ein Schild stehen, welches auf den Nachbarschalter verweist, ist das ein Erfolgserlebnis, welches es seit Maueröffnung nur noch selten gab.
Da mittlerweile jeder Sonderschüler auf dem Schulhof unbedingt handytechnisch mit seinem Klassenkameraden am anderen Ende des Geländes telefonieren kann und dies auch tut, müssen wir uns alle ein neues Objekt suchen, mit dem wir unser elitäres Wesen zur Ansicht bringen können. Hat es vor kurzer Zeit noch gereicht, eine e-mail Adresse auf der Visitenkarte zu haben, um als reich und wichtig zu gelten, mußte es kurze Zeit später die eigene Homepage sein. Auch dies reicht nicht mehr. Es gibt aber noch etwas, daß auch in nächster Zeit immer teurer und exquisiter werden wird, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Zeigen Sie, daß Sie es sich leisten können....schreiben Sie Briefe ! Schicken Sie aber zur Sicherheit noch eine e-mail mit gleichlautendem Text, falls es wichtig ist. Ich sehe schon die ersten Yuppies mit Unmengen von leeren A4 Umschlägen zum Briefkasten laufen, und an sich selbst schicken. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Man ist nicht nur reich, man kennt auch reiche Leute.
In diesem Sinne. In 7 Monaten ist Weihnachten... schicken Sie die Karten schon mal los.
11.05.99
webfundstück - aber wo?!


